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Sales Forecast — wie Sie den Umsatz der nächsten Monate realistisch einschätzen.
Wer weiß, was in den kommenden Monaten hereinkommt, kann Personal, Einkauf und Liquidität planen. Eine gute Umsatzprognose braucht dafür keine Statistikabteilung, sondern ehrliche Daten und eine einfache Methode.

Ein Sales Forecast ist eine Schätzung, wie viel Umsatz Ihr Vertrieb in einem bestimmten Zeitraum — meist Monat oder Quartal — voraussichtlich abschließen wird. Er stützt sich auf vergangene Verkaufszahlen, die aktuell offenen Geschäfte und deren Abschlusswahrscheinlichkeit. Für kleine und mittlere Betriebe reicht dafür in der Regel eine gewichtete Pipeline, ergänzt um den Blick auf Vorjahre und saisonale Schwankungen.
Wozu eine Umsatzprognose dient
Die Prognose ist kein Selbstzweck für die Geschäftsführung. Sie beantwortet sehr praktische Fragen:
- Brauchen wir im Frühjahr eine zusätzliche Montagekraft?
- Reicht die Liquidität, um Material jetzt vorzufinanzieren?
- Müssen wir im dritten Quartal stärker akquirieren, weil die Pipeline dünn ist?
- Können wir der Bank eine realistische Planung vorlegen?
Je früher Sie eine Lücke sehen, desto mehr Möglichkeiten haben Sie, gegenzusteuern.
Drei Methoden im Überblick
1. Fortschreibung aus der Vergangenheit
Sie nehmen den Umsatz der Vorjahre im selben Zeitraum und passen ihn um bekannte Veränderungen an — neue Mitarbeitende, Preisänderungen, ein weggefallener Großkunde. Das funktioniert gut bei stabilem Geschäft mit vielen kleinen, wiederkehrenden Aufträgen, etwa im Handel oder bei Wartungsverträgen.
Schwäche: Sie sieht nicht, was gerade konkret in Verhandlung ist.
2. Gewichtete Pipeline
Jedes offene Geschäft wird mit der Wahrscheinlichkeit seiner aktuellen Phase multipliziert. Die Summe ergibt den erwarteten Umsatz. Diese Methode eignet sich für Betriebe mit größeren, einzeln verhandelten Aufträgen — Bau, Anlagenbau, Agenturen, IT-Projekte.
Schwäche: Sie ist nur so gut wie die Pflege der Pipeline und die Wahrscheinlichkeiten je Phase.
3. Einschätzung durch den Vertrieb
Die Verkäuferinnen und Verkäufer schätzen für jedes Geschäft selbst ein, ob es im Zeitraum abgeschlossen wird: sicher, wahrscheinlich, möglich. Das nutzt Wissen, das in keiner Zahl steckt — etwa, dass der Entscheider gerade gewechselt hat.
Schwäche: Persönliche Färbung. Manche schätzen chronisch optimistisch, andere vorsichtig.
In der Praxis bewährt sich eine Kombination: gewichtete Pipeline als Basis, Vertriebseinschätzung als Korrektur, Vorjahr als Plausibilitätsprüfung.
Rechenbeispiel: gewichtete Pipeline
Ein Metallbaubetrieb mit Schwerpunkt auf Geländern und Vordächern hat Anfang des Quartals folgende offene Geschäfte:
| Phase | Wahrscheinlichkeit | Anzahl | Summe offen | Gewichtet |
|---|---|---|---|---|
| Bedarf geklärt | 10 % | 8 | 96.000 € | 9.600 € |
| Aufmaß erledigt | 25 % | 5 | 70.000 € | 17.500 € |
| Angebot versendet | 40 % | 6 | 84.000 € | 33.600 € |
| Verhandlung | 70 % | 3 | 45.000 € | 31.500 € |
| Gesamt | 22 | 295.000 € | 92.200 € |
Die Prognose liegt also bei rund 92.000 Euro — nicht bei 295.000 Euro, die als offen in der Liste stehen. Wichtig ist, dass nur Geschäfte mit erwartetem Abschluss im betrachteten Quartal einfließen.
Woher die Prozentsätze kommen
Die Wahrscheinlichkeiten in der Tabelle sind Beispiele. Ihre eigenen ermitteln Sie aus der Vergangenheit: Von allen Geschäften, die in den letzten zwölf Monaten die Phase „Angebot versendet" erreicht haben — wie viele wurden gewonnen? Diese Quote ist Ihr Prozentsatz. Prüfen Sie sie halbjährlich.
Warum Prognosen danebenliegen
Veraltete Pipeline. Geschäfte, die längst tot sind, werden mitgezählt. Die Prognose ist dann systematisch zu hoch.
Unrealistische Abschlussdaten. Viele Geschäfte stehen mit „Ende des Monats" im System, weil das der Standardwert ist. Fragen Sie nach: Woran machen Sie den Termin fest?
Fehlende Durchlaufzeit. Wenn ein Auftrag von der Anfrage bis zum Abschluss im Schnitt drei Monate braucht, wird eine Anfrage von heute nicht in diesem Monat Umsatz.
Großaufträge verzerren. Ein einzelnes großes Geschäft mit 50 % Wahrscheinlichkeit kommt entweder ganz oder gar nicht. Weisen Sie solche Positionen gesondert aus und planen Sie mit beiden Szenarien.
Saison ignoriert. Ein Gartenbaubetrieb im November und im April ist nicht derselbe Betrieb. Vergleichen Sie mit demselben Zeitraum des Vorjahres.
Drei Szenarien statt einer Zahl
Eine einzelne Zahl täuscht Genauigkeit vor, die es nicht gibt. Hilfreicher ist eine Spanne aus drei Werten. Das vorsichtige Szenario enthält nur Geschäfte in der letzten Phase und bereits fest zugesagte Aufträge. Das erwartete Szenario ist die gewichtete Pipeline. Das optimistische Szenario rechnet alle Geschäfte mit realistischem Abschlussdatum voll. Für Personal- und Liquiditätsplanung orientieren Sie sich am vorsichtigen Wert, für Einkauf und Kapazitätsreserven am erwarteten. Liegt das vorsichtige Szenario unter Ihren Fixkosten, wissen Sie, dass Akquise jetzt Vorrang hat.
Den Forecast in den Alltag einbauen
Eine Prognose, die einmal im Jahr für die Bank erstellt wird, hilft im Tagesgeschäft wenig. Besser ist ein kurzer, fester Rhythmus:
- Wöchentlich: Pipeline pflegen — Phasen, Werte, Abschlussdaten.
- Monatlich: Prognose für die nächsten drei Monate aktualisieren und mit dem tatsächlichen Ergebnis des Vormonats vergleichen.
- Quartalsweise: Wahrscheinlichkeiten je Phase und Abweichungen analysieren.
Der Vergleich von Prognose und Ergebnis ist der wichtigste Schritt. Nur so lernen Sie, ob Ihr Modell zu optimistisch oder zu vorsichtig ist.
Häufige Fragen
Was ist ein Sales Forecast?
Eine Schätzung des Umsatzes, den der Vertrieb in einem bestimmten Zeitraum voraussichtlich erzielen wird. Grundlage sind historische Zahlen und die aktuell offenen Verkaufschancen.
Welche Methode eignet sich für kleine Betriebe?
Für Betriebe mit einzeln verhandelten Aufträgen die gewichtete Pipeline, für Betriebe mit vielen kleinen Wiederholungsaufträgen die Fortschreibung aus dem Vorjahr. Oft ist eine Kombination am verlässlichsten.
Wie genau muss eine Umsatzprognose sein?
Sie muss nicht auf den Euro stimmen. Wichtig ist, dass sie Trends und Lücken früh zeigt. Eine Abweichung, die Sie kennen und erklären können, ist kein Problem.
Wie oft sollte man die Prognose aktualisieren?
Monatlich für die nächsten drei Monate, mit wöchentlicher Pflege der zugrunde liegenden Pipeline.
Prognosen mit 1Tool
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